Gemeinde Gössenheim und Sachsenheim mit Wappen



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© 2016 Johannes Schmelz Verwaltungsgemeinschaft Gemünden a. Main


 

    Die Mutter Gottes half ein zweites Mal

     

    Man schreibt den 06. April 1945. Es ist Mitte des Vormittages. Der 2. Weltkrieg neigt sich dem Ende entgegen. Amerikanische Truppen lagern hinter dem Ringelbachwald und wollen Gössenheim angreifen, warten aber ab, weil das SS-Panzer-Grenadier-Bataillon 506 unter Ottmann  gerade die Wernbrücke und die Eisenbahnüberführung in Gössenheim sprengt.

     

    Als am Vormittag die SS nach den Sprengungen abgezogen war, wurden die amerikanischen Soldaten mutig. Gegen 13:00 Uhr wurde eine Panzerkanone am Waldrand sichtbar und auf der baumfreien Ost-Bergkante studierten drei Soldaten, die neben einem Jeep standen, eine Landkarte.

     

    Kurz danach fuhr ein Panzer bis auf Höhe des ehemaligen Säugraben und feuerte zwei Schüsse in Richtung Gössenheim ab. Das Geschoss durchschlug die Scheune der Familie Matterstock am Liebenberg und prallte danach in die damalige Scheune der Maria Schreyer, vor dem Gasthof „Zum Hirschen“. Diese brannte sofort lichterloh nieder und ein paar Mutige schwenkten weiße Betttücher zum Zeichen der Kapitulation. Durch den weiteren Beschuss brannten auch die Scheunen von Viktor Ammersbach, Johann Theobald und Otto Seufert nieder. Daraufhin wurde der Beschuss eingestellt und eine Soldatenabordnung fuhr zwecks Übergabeverhandlungen ins Dorf.

     

    Bereits am 04. April 1945, am Vormittag, hatte die US-Luftwaffe Gössenheimer Scheunen in Brand geschossen, weil sie von Bodengeschützen angegriffen wurden. Im 2. Weltkrieg wurden in der Summe 6 Scheunen in Gössenheim ein Raub der Flammen. Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden. Der Ortsteil Sachsenheim selbst blieb vor Kriegsschäden verschont.

     

    Weil der 1. Bürgermeister Hugo Feser im Fronteinsatz war, schickte man sofort einen Boten nach Sachsenheim, um dort seinen Stellvertreter zu suchen. Der Bote fand den 2. Bürgermeister August Herrmann, der die nötige Amtsunterschrift leistete und so Gössenheim vor der Zerstörung bewahrte. Gegen 14:45 Uhr rollten die ersten US-Panzer vom Hügelein ins Dorf und hatten es bis 15:30 Uhr komplett besetzt. Gössenheim wurde nun von den US-Soldaten verschont.

     

    So hatte die Mutter Gottes durch August Herrmann hier ein zweites Mal geholfen, nachdem sie ihm bereits 1899 durch gesunde Geburt das Überleben persönlich ermöglicht hatte.

     

    (Gesammelte Berichterstattungen von Zeitzeugen – Niederschrift am 22. Juli 2011 durch Theo Gärtner, 1. Bürgermeister von Gössenheim)